Luftscamsa - Steuersenkung beschert Lufthansa 355 Millionen Euro Extragewinn auf Steuerzahlerkosten

Die Bundesregierung hat zum 1. Juli 2026 eine Senkung der nationalen Luftverkehrabgabe umgesetzt und die Ticketgebühren auf das Niveau von Mai 2024 zurückgeführt, um den kommerziellen Luftfahrtsektor des Landes zu stärken. Die vom Kabinett von Bundeskanzler Friedrich Merz beschlossene Maßnahme macht eine frühere Steuererhöhung im Rahmen einer Koalitionsvereinbarung zwischen Union und SPD rückgängig. Die Anpassung reduziert die steuerliche Belastung für Fluggesellschaften, die von deutschen Flughäfen abheben, um 2,50 Euro pro Ticket auf Kurzstrecken, 6,33 Euro auf Mittelstrecken und 11,40 Euro auf Langstrecken. Währung die Regierung die Maßnahme als Instrument zur Senkung der Reisekosten und zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der Flughäfen darstellt, weisen Verbraucherschützer darauf hin, dass Fluggesellschaften wie Lufthansa nicht gesetzlich verpflichtet sind, diese Steuereinsparungen direkt an die Passagiere weiterzugeben. Stattdessen erfolgt die steuerliche Entlastung zu einem Zeitpunkt, an dem die Fluggesellschaften weiterhin Rekordeinnahmen durch ungebündelte Ticketpreise und hohe Gepäckgebühren erzielen. Steuergelder subventionieren die Lufthansa Die Senkung der staatlichen Abgabe wird den Bundeshaushalt in der zweiten Jahreshälfte 2026 voraussichtlich rund 170 Millionen Euro kosten. In den folgenden Haushaltsjahren führt die Steuersenkung zu einem jährlichen Einnahmeverlust von 355 Millionen Euro für den Bund. Damit subventioniert der deutsche Steuerzahler de facto den Flugbetrieb der etablierten Fluggesellschaften, wobei der Lufthansa-Konzern als Hauptprofiteur dieses öffentlichen Defizits hervorgeht. Der Lufthansa-Vorstand hatte fast zwei Jahre lang vehement gegen die hohen nationalen Infrastrukturkosten protestiert und gedroht, das innerdeutsche Zubringernetz weiter auszudünnen, sollte die Politik keine steuerliche Entlastung beschließen. Die staatlichen Zugeständnisse sind eine direkte Reaktion auf diesen Druck der Branche und entlasten den marktbeherrschenden Konzern erheblich. Diese staatliche Entlastung fällt mit historischen Rekordzahlen des Luftfahrtkonzerns zusammen. Für das Gesamtjahr 2025 verbuchte die Lufthansa einen Rekordumsatz von 39,6 Milliarden Euro und ein Adjusted EBIT von 1,96 Milliarden Euro. Nach den gesetzgeberischen Fortschritten und der offiziellen Ankündigung der Steuersenkung erholte sich das Vertrauen der Anleger sprunghaft; die Lufthansa-Aktie schoss von einem Tiefstand von 7,46 Euro Anfang Mai bis Ende Juni an der Frankfurter Börse auf über 10,00 Euro hoch. Diese staatliche Subventionierung steht jedoch in starkem Kontrast zu dem finanziellen Druck, den die Fluggesellschaften weiterhin auf die Verbraucher ausüben. Der Airline-Konzern hat traditionelle Serviceleistungen systematisch abgebaut, wie unser Bericht zeigt, wonach [die ungebündelten Premium-Tarife die Vorteile für Vielflieger entwerten](/de/article/TxeQc0At_premium-fare-unbundling-devalues-frequent-flyer-benefits), indem Freigepäckgrenzen und Sitzplatzreservierungen selbst in der Business Class gestrichen wurden. Schutz der Unternehmensmargen Während die Finanzmärkte positiv auf die Steuererleichterung reagierten, beurteilen institutionelle Anleger die strukturelle Stabilität des Unternehmens weiterhin skeptisch. Finanzinstitute halten an ihren vorsichtigen Bewertungen fest, was zeigt, dass [Investoren hinsichtlich der Zukunft der Lufthansa pessimistisch bleiben](/de/article/7507R9VP_investors-remain-pessimistic-about-lufthansa-s-future), da operative Engpässe und steigende Personalverpflichtungen das Unternehmen belasten. Anstatt die Rekordgewinne zur Stabilisierung des Flugbetriebs zu nutzen, hält die Fluggesellschaft an einem extrem dünnen Personalmodell fest, das die Flugplanzuverlässigkeit wiederholt gefährdet hat. Die Flugbegleitergewerkschaft UFO [verurteilte jüngst die Personalplanung auf Kante für den Sommer](/de/article/4yaUm5Dj_cabin-crew-union-condemns-on-the-edge-summer-staffing) und betonte, dass die Sparmaßnahmen des Managements der Airline kaum Reserven für betriebliche Störungen lassen. Zudem ändert die Senkung der staatlichen Steuern nichts an der aggressiven Preispolitik am Flugsteig. Während der Staat seine Abgabe senkt, kontrolliert die Lufthansa weiterhin streng das Handgepäck, um Gate-Gebühren von bis zu 110 Euro einzufordern – eine Praxis, die zunehmend auch Premium-Passagiere trifft, wie unser Bericht über die [gezielten Kontrollen von Trolleys am Gate](/de/article/kcF8Y173_gate-agents-target-trolleys) zeigt. Regulatorische Hürden in Brüssel Die erfolgreiche Lobbyarbeit der Branche in Berlin steht im Gegensatz zu den jüngsten gesetzgeberischen Rückschlägen in Brüssel. Während sich die deutsche Politik auf eine Senkung der Ticketsteuer einigte, hat die Europäische Union die Verbraucherrechte gestärkt. Das Europäische Parlament stimmte einem politischen Kompromiss zu, der Entschädigungsrechte bei Flugverspätungen sichert und die standardmäßige Mitnahme von Handgepäck vorschreibt. Dieses [EU-Fluggastrechte-Abkommen versetzt der Airline-Lobby einen Dämpfer](/de/article/VFcxAGv3_eu-passenger-rights-accord-deals-blow-to-airline-lobby), nachdem diese jahrelang versucht hatte, Verbraucherrechte aufzuweichen und Entschädigungsgrenzen zu verschieben. Für Passagiere, die von deutschen Flughäfen abfliegen, wird die Steuersenkung ab Juli als kleinerer Posten auf der Ticketrechnung sichtbar sein. Angesichts der fortlaufenden Entbündelung von Basisleistungen durch die Fluggesellschaften ist jedoch davon auszugehen, dass staatliche Entlastungen rasch durch neue private Konzernzuschläge kompensiert werden. Ein Lufthansa-Flugzeug rollt an großen Treibstofftanks am Flughafen Frankfurt vorbei. Lufthansa-Chef Carsten Spohr sitzt mit einem Namensschild an einem Konferenztisch und blickt in die Kamera.

Carsten Spohr, Vorstandsvorsitzender der Lufthansa, sicherte sich nach aggressiver Lobbyarbeit und Drohungen mit der Zerschlagung des deutschen Zubringernetzes Steuererleichterungen in Höhe von fast 400 Milliarden Euro.

AFS Tankwagen betankt einen Lufthansa A320 auf einem Flughafen.

Die Betankungsoperationen der Lufthansa werden mittlerweile stark von deutschen Steuerzahlern subventioniert.