Lufthansa hat eine neue Gebührenstruktur für die Sitzplatzwahl auf ihren umgerüsteten Airbus A380-Flugzeugen eingeführt. Die Fluggesellschaft verlangt von Business-Class-Reisenden nun bis zu 170 Euro pro Flugsegment, um einfach an einem Fenster sitzen zu können. Die neue Preispolitik tritt für alle Flüge ab dem 15. September 2026 in Kraft. Damit weitet der Konzern seine hochgradig umstrittene Strategie zur Monetarisierung von Sitzplätzen auf eine Großraumflotte aus, die nicht einmal die eigene, viel beworbene „Allegris“-Kabine besitzt. Die Fluggesellschaft rüstet derzeit ihre acht Airbus A380-Flugzeuge mit einem Standard-Sitzmodell, dem Thompson Aero Vantage XL, um. Diese versetzte Kabinenkonfiguration, bei der die Sitze abwechselnd direkt am Fenster oder näher am Mittelgang liegen, bietet allen Passagieren direkten Zugang zum Gang. Da die Anpassung der maßgeschneiderten „Allegris“-Kabine an das Oberdeck der A380 als zu kostspielig erachtet wurde, entschied sich Lufthansa für den Einbau dieses Standardprodukts. Obwohl das Management die teure Anpassung vermied, kopiert es dennoch das Tarifmodell für diese Sitze. Die neue Kabine im Doppelstock-Flugzeug wird in drei verschiedene Sitzplatzkategorien unterteilt. Diese Optionen sind zusammen mit ihren Merkmalen und den Ausnahmen für Statuskunden in Tabelle 1 aufgeführt. | Kategorie | Aufpreis | Aufpreis-Befreiung (außer Light) | | --- | --- | --- | | Classic Seat | Kein Aufpreis | Für alle Passagiere inbegriffen | | Privacy Seat | 170 EUR | Inbegriffen für Senatoren & HON Circle | | Extra Long Bed | 170 EUR | Inbegriffen nur für HON Circle | Tabelle 1: Business-Class-Sitzplatzkategorien und Aufpreise auf umgerüsteten Airbus A380-Flotten Segmentierte Preise Die Auswahl eines „Classic Seat“ ist für die meisten Reisenden ohne Aufpreis möglich, mit Ausnahme derer, die den günstigsten Tarif „Business Light“ buchen. Diese Kategorie umfasst Gangsitze und paarweise angeordnete Sitze in der Mitte der Kabine, die wegen ihrer Nähe zum Durchgangsverkehr weniger beliebt sind. Um sich einen „echten“ Fenstersitz zu sichern, müssen Passagiere künftig den neuen Zuschlag zahlen. Diese als „Privacy Seats“ vermarkteten Plätze befinden sich direkt an der Kabinenwand und sind durch eine breite Seitenkonsole vom Gang abgeschirmt. Der Konzern erhebt auch einen Aufpreis für die Sitze an den Trennwänden, die sich direkt hinter physischen Kabinenabtrennungen befinden und als „Extra Long Bed“ bezeichnet werden. Diese Plätze in den Reihen 10 und 24 bieten einen breiteren Fußraum und eine verlängerte Liegefläche von bis zu 2,22 Metern. Der Zuschlag von 170 Euro wird pro Flugstrecke fällig. Ein Reisender, der beispielsweise einen Hin- und Rückflug von München nach Los Angeles bucht, müsste zusätzliche 340 Euro zahlen, um sich einen Fenstersitz zu sichern. Elite-Vielflieger sind nur teilweise vor den neuen Gebühren geschützt. Während Miles & More Senatoren und HON-Circle-Mitglieder die „Privacy Seats“ ohne Aufpreis reservieren können, steht die Option „Extra Long Bed“ nur HON-Circle-Mitgliedern ohne Aufpreis zur Verfügung. Darüber hinaus werden diese Privilegien vollständig hinfällig, wenn ein Statuskunde ein „Business Light“-Ticket erwirbt. In diesen Fällen müssen selbst die treuesten Passagiere den vollen Aufpreis zahlen, um ihren bevorzugten Sitzplatz auszuwählen. Ausweitung der Zuschläge Die Entscheidung, normale Fenstersitze zu monetarisieren, stellt einen weiteren Meilenstein in den Bemühungen des Konzerns dar, seine historischen Servicestandards zu entbündeln. Durch die Schaffung kleinteiliger Sitzplatzkategorien versucht die Fluggesellschaft, aus jedem physischen Bereich ihrer Flugzeuge zusätzliche Einnahmen zu generieren. Dieser Schritt folgt auf eine jüngste Entscheidung vom 1. August 2026. Damals führte das Mutterunternehmen [neue Sitzplatzgebühren für die Business- und Economy-Class auf Kurz- und Mittelstreckenflügen](/de/article/Ps5ab8H4_swiss-celebrates-aug-1-with-new-cabin-fees) ein. Diese Maßnahme zielte in ähnlicher Weise mit hohen Aufschlägen auf die ersten Reihen der Business Class ab. Die Harmonisierung von Sitzplatzkategorien im gesamten Streckennetz stellt einen breiteren Übergang zu Preismodellen von Billigfliegern dar, der auf eine frühere Entscheidung folgt, bei der die [Lufthansa Group die kostenfreie Sitzplatzwahl auf der Langstrecke beim Check-in abgeschafft hat](/de/article/eilwAR3S_lufthansa-group-eliminates-free-long-haul-seat-changes). Der Konzern hat eine dokumentierte Geschichte darin, eigene finanzielle Interessen auf Kosten der Kunden zu priorisieren. Ein prominentes Beispiel war, als die Fluggesellschaft ihren teuersten flexiblen Tickets heimlich die Erstattungsrechte entzog, bevor sie nach [heftigen Protesten aus der Wirtschaft die massiven Aufschläge wieder fallen lassen musste](/de/article/CUX2jYXv_lufthansa-group-drops-massive-surcharges-on-flex-tickets-after-backlash). Die umgerüsteten A380-Flugzeuge sind ausschließlich am Drehkreuz München stationiert. Der Carrier setzt diese Doppelstock-Flugzeuge derzeit auf Langstreckenverbindungen von München nach Boston, Washington D.C., Los Angeles und Mumbai ein. Da bereits drei Superjumbos umgerüstet wurden, sollen die verbleibenden fünf Flugzeuge bis zum nächsten Sommer mit den Thompson Aero Vantage XL-Sitzen ausgestattet werden. Premium-Reisende auf diesen Strecken müssen sich ab Mitte September auf die neuen Gebühren einstellen.
