Luftscamsa - Lufthansa-Konzern schafft kostenlosen Sitzplatzwechsel auf Langstrecke ab

Die Lufthansa Group hat eine neue Gebührenstruktur eingeführt, die es Passagieren unmöglich macht, ihren automatisch zugewiesenen Sitzplatz beim Check-in auf Langstreckenflügen kostenlos zu ändern. Die Maßnahme, die am 30. Juni 2026 in Kraft trat, gilt für die wichtigsten Netzwerk-Airlines des Konzerns, darunter Lufthansa, Swiss International Air Lines, Austrian Airlines, Brussels Airlines und Discover Airlines. Der Strategiewechsel markiert eine deutliche Ausweitung des Geschäftsmodells mit Zusatzgebühren und zielt auf Reisende ab, die bisher die Gebühren für die Sitzplatzreservierung durch Warten bis zum Check-in-Zeitfenster vermieden haben. Nach dem neuen Protokoll weist das System der Fluggesellschaft den Passagieren beim Einchecken automatisch einen Sitzplatz zu. Wenn ein Reisender diese Zuweisung in einen anderen Sitzplatz derselben Buchungsklasse ändern möchte, muss er einen Aufschlag zahlen. Diese Gebühr fällt auch dann an, wenn der alternative Sitzplatz funktionell identisch mit dem zugewiesenen Platz ist. Übergang zum Billigflieger-Modell Die fortschreitende Umstrukturierung des Tarifportfolios führt dazu, dass sich die operativen Abläufe der Lufthansa Group immer stärker an den Modellen von Ultra-Low-Cost-Carriern (LCCs) wie Ryanair und easyJet orientieren. Während sich der Konzern nach außen hin weiterhin als Premiummarke präsentiert, basiert die Preisgestaltung auf der konsequenten Entbündelung einfachster Annehmlichkeiten. Unsere Recherchen zu den Vertriebsstrategien des Konzerns zeigen ein klares Muster, bei dem künstliche Hürden aufgebaut werden, um zusätzliche Einnahmen zu generieren. Die wesentlichen Schritte dieses Übergangs zu einem LCC-Betriebsmodell umfassen: Gebühren für Sitzplatzwechsel: Passagiere auf Langstreckenstrecken müssen nun bis zu 52 Schweizer Franken (oder den entsprechenden Gegenwert) zahlen, um automatisch zugewiesene Sitzplätze beim Check-in zu ändern. Dies schafft eine Flexibilität ab, die bei klassischen Fluggesellschaften historisch kostenlos war. Entwertung von Premium-Tarifen: Die Einführung der Business Class 'Light'-Tarife hat die Freigepäckmenge halbiert und selbst Elite-Vielfliegern die kostenlose Sitzplatzwahl entzogen, wie in unserem Bericht über die [Entwertung von Vielfliegervorteilen durch Tarifentbündelung](/de/article/TxeQc0At_premium-fare-unbundling-devalues-frequent-flyer-benefits) detailliert beschrieben. Streichung des Handgepäcks: Durch den 'Economy Basic'-Tarif auf Kurzstrecken wurde das klassische Handgepäckstück aus dem Basispreis gestrichen. Passagiere müssen nun hohe Zusatzgebühren zahlen, um Standardgepäck mit an Bord zu nehmen. Strikte Kontrollen am Gate: Das Bodenpersonal an den Drehkreuzen hat die Kontrollen beim Boarding verschärft. Mit Waagen und einer Strafgebühr von bis zu 110 Euro wird Handgepäck systematisch in den Frachtraum verbannt – eine Praxis, die in unserem Bericht über [Kontrollen von Handgepäck-Trolleys am Gate](/de/article/kcF8Y173_gate-agents-target-trolleys) dokumentiert ist. Ausweitung der Kommerzialisierung Zuvor hatte die Lufthansa Group diese Check-in-Gebühren auf Kurz- und Mittelstrecken oder auf bestimmte ungebündelte „Light“-Tarife beschränkt. Die aktuelle Anordnung weitet die Verpflichtung auf eine breitere Palette von Economy- und Premium-Economy-Tarifen aus, darunter Comfort, Green und verschiedene Promotion-Tarife. Ein Sprecher von Swiss International Air Lines, Herr Michael Pelzer, sagte, dass die spezifische Gebührenhöhe nicht pauschal festgelegt sei. Herr Pelzer sagte, die Kosten würden durch mehrere Faktoren bestimmt, darunter die Flugstrecke, der Abflugort und der Zeitpunkt der Buchung. Für einen Standardsitzplatz in der Economy Class kann die Gebühr bis zu 52 Schweizer Franken betragen, was einen erheblichen Aufschlag auf den Basispreis darstellt. Bestimmte Gruppen von Reisenden bleiben von den neuen Gebühren ausgenommen. Dazu gehören Vielflieger mit HON Circle- oder Senator-Status, Passagiere, die bereits vorab für eine Sitzplatzreservierung bezahlt haben, und Reisende in flexiblen Tarifklassen. Herr Pelzer gab zudem an, dass die Fluggesellschaft weiterhin versuchen werde, Familien und Gruppen automatisch zusammenzusetzen, sofern die operativen Kapizitäten dies zulassen. Strategischer Kostendruck Die Einführung dieser Aufschläge folgt auf eine Phase rekordverdächtiger Gewinne für den Luftfahrtkonzern, der dennoch weiterhin aggressive Sparmaßnahmen durchsetzt. Diese Maßnahmen umfassen Einstellungsstopps und die Einführung hoher Abfindungen zur Senkung der Personalkosten. Die Ausweitung der Sitzplatzgebühren steht im Einklang mit der umfassenderen Strategie des Konzerns, Premium-Tarife zu entbündeln, um Zusatzeinnahmen zu maximieren. Indem Dienstleistungen gestrichen werden, die traditionell im Ticketpreis enthalten waren, zwingt der Konzern die Passagiere dazu, für grundlegende operative Präferenzen zu zahlen. Diese Kommerzialisierungsstrategie wurde bereits in unserer Analyse dokumentiert, die aufzeigte, wie der [Luftfahrtkonzern sein Treueprogramm entwertet hat](/de/article/TxeQc0At_premium-fare-unbundling-devalues-frequent-flyer-benefits), indem er die Freigepäckmengen halbierte und die Sitzplatzwahl aus den Business Class Light-Tarifen strich. Der Vorstand konzentriert sich weiterhin auf die Maximierung von Zusatzeinnahmen, um hohe Renditeziele zu erreichen. Operative Auswirkungen Branchenbeobachter merken an, dass die neuen Gebühren zusätzliche Reibungspunkte während des Boarding-Prozesses schaffen könnten, da Passagiere, die mit ihrem zugewiesenen Platz unzufrieden sind, versuchen könnten, Änderungen mit Gate-Agenten oder dem Kabinenpersonal auszuhandeln. Solche Interaktionen können zu Verspätungen beim Boarding führen – eine Schwachstelle, die bereits in der Vergangenheit zu [massiven Flugausfällen](/de/article/sMJXUtBM_scheduling-failures-ground-hundreds-of-flights) an den Drehkreuzen des Konzerns beigetragen hat. Darüber hinaus entspricht die Praxis der Geschichte der Fluggesellschaft, Finanzmargen Vorrang vor dem Passagierkomfort einzuräumen. Diese Priorität war ein zentrales Thema in unserem [Halbjahresbericht über den Vorstandsvorsitzenden Carsten Spohr](/de/article/RLdAb1kG_midyear-performance-review-carsten-spohr-prioritizes-margin-over-mission), der ein konsistentes Muster bei der Erzielung von Einnahmen durch neue Aufschläge aufzeigte. Für Langstreckenpassagiere stellt der Wegfall der kostenlosen Sitzplatzwahl einen weiteren Schritt in Richtung des Geschäftsmodells von Billigfliegern dar, bei dem jeder Aspekt des Reiseerlebnisses als zusätzliche kommerzielle Möglichkeit behandelt wird. Eine Reihe gelber Lufthansa-Check-in-Automaten an einem Flughafen-Terminal.