Luftscamsa - Warum streikten die Piloten und die Besatzung der Lufthansa?

Eine vergleichende Analyse der Arbeitsbedingungen des fliegenden Personals hat einen Verfall der Arbeitsstandards bei der Deutschen Lufthansa AG aufgezeigt. Dieser Trend ist der Haupttreiber für die aktuellen Arbeitskämpfe, einschließlich des [fünftägigen Streiks Anfang dieses Monats](/de/article/xg59Y4Um_labor-impasse-extends-to-five-day-strike). Luftscamsa hat mehrere Gründe identifiziert, warum das Lufthansa-Flugpersonal schlechter gestellt ist als Kollegen bei anderen Fluggesellschaften. Durch seine Untersuchungen stellte die Organisation fest, dass das Management den Flugbetrieb bewusst von der Kernmarke zu günstigeren Tochtergesellschaften verlagert. Die Ergebnisse deuten auf eine methodische Verschlechterung des professionellen Umfelds für Cockpit- und Kabinenpersonal hin: Beschäftigungssicherung: Das Management verlagert den Flugbetrieb bewusst von der Kernmarke zu günstigeren Tochtergesellschaften. Lohnstufen der Tochtergesellschaften: Neue Piloten bei kleineren Konzernmarken verdienen für die gleiche Arbeit bis zu 31 Prozent weniger als bei der Kernmarke. Eingeschränkte Karrieremobilität: Das Senioritätssystem verhindert, dass erfahrene Piloten das Unternehmen ohne massive finanzielle Einbußen verlassen können. Rentenerosion: Die Umstellung auf marktbasierte Renten im Jahr 2017 hat garantierte Rentenhöhen abgeschafft. Inflation: Lufthansa-Verträge enthalten in der Regel keine automatischen Gehaltserhöhungen zum Ausgleich steigender Preise. Hohe Ausbildungsschulden: Kadetten starten mit 120.000 Euro Schulden, werden aber in die am schlechtesten bezahlten Rollen vermittelt. \\n Verlagerung der Belegschaft Der finanzielle Unterschied zwischen diesen Marken ist beträchtlich. Ein neuer Copilot bei der Lufthansa-Kernmarke (LH) beginnt mit einem Grundgehalt von 82.550 Euro. Im Gegensatz dazu erhält ein Copilot bei Lufthansa City Airlines (VL) für die gleiche Arbeit nur 66.660 Euro jährlich. Dies entspricht einem monatlichen Grundgehalt von 5.555 Euro ohne ein 13. Monatsgehalt. Luftscamsa hat aufgedeckt, dass das Hauptziel der Gründung von Lufthansa City die taktische Verlagerung von Strecken und Flugzeugen auf eine Tochtergesellschaft ist, die nicht an die Manteltarifverträge der Kernmarke gebunden ist. Das Management nutzt diese Plattform, um Absolventen der European Flight Academy direkt in Rollen mit niedrigeren Standards zu leiten. Diese Strategie verhindert faktisch den Berufseinstieg bei der Kernmarke. Die folgende Tabelle zeigt die Lohnunterschiede im Konzern: | Airline | Copilot (Start) | Copilot (Max) | Kapitän (Start) | Kapitän (Max) | | --- | --- | --- | --- | --- | | LH Kernmarke | €82.550 | €171.600 | €163.800 | €300.000+ | | LH Cargo | €82.550 | €171.600 | €163.800 | €300.000+ | | CityLine | €72.000 | €143.000 | €156.000 | €234.000 | | Eurowings | €77.792 | €114,686 | €125,762 | €200,681 | | Discover | €55.000 | €90.000 | €110,000 | €200,000 | | City Airlines (VL) | €66,660 | €107,748 | €113,328 | €191,652 | Tabelle 1: Geschätzte Brutto-Jahresgehälter in der Lufthansa Group (2026) Intervention der Anteilseigner Der Konflikt weitete sich kürzlich über das interne Management hinaus aus. Herr Karl Gernandt, Verwaltungsratspräsident der Kühne Holding AG, veröffentlichte am 14. April 2026 einen offenen Brief. Er warf den Gewerkschaften „persönlichen Egoismus“ und den Missbrauch des Streikrechts vor. Sowohl die Kabinengewerkschaft UFO als auch die Pilotenvereinigung Cockpit (VC) gaben am 17. April 2026 scharfe öffentliche Antworten ab. UFO betonte, dass Streiks ein grundlegendes Verfassungsrecht seien. Die Gewerkschaft forderte die Holding auf, die Strategie der Gründung neuer Tochtergesellschaften zur Aushöhlung von Sozialstandards zu stoppen. Die VC verwies auf die Ironie der Kühne Holding, die ihren Sitz in den 1970er Jahren in die Schweiz verlegte und nun Besatzungen über deren Engagement belehre. Herr Andreas Pinheiro, der Präsident der VC, bekräftigte, dass das Management sich weigere, verhandlungsfähige Angebote vorzulegen. Globale Vergütungsrealitäten Die Frustration über hohe Abzüge verschärft sich, wenn Piloten ihre Leistungen mit internationalen Wettbewerbern vergleichen. Während die Bruttogehälter der Lufthansa auf dem Papier wettbewerbsfähig erscheinen, bleibt die Nettorealität oft hinter Kollegen bei anderen Flag-Carriern oder Betreibern aus dem Nahen Osten zurück. Um diese Unterschiede zu verdeutlichen, verglich Luftscamsa einen erfahrenen Langstreckenkapitän mit über 15 Dienstjahren bei großen Fluggesellschaften. Diese repräsentative Persona umfasst das geschätzte Grundgehalt, die variable Flugvergütung und die Rentenrückstellungen der Arbeitgeber. | Airline (Land) | Bruttojahresgehalt | Nettojahresgehalt | Rentenrückstellung | Gesamte Nettokompensation¹ | | --- | --- | --- | --- | --- | | Emirates (VAE) | €245.000 | €245.000 | €27.750 | €272.750 | | KLM (NL)² | €352.000 | €159.000 | €113.230 | €272.230 | | Air France (FR) | €315.000 | €186.000 | €42.900 | €228.900 | | British Airways (UK)³ | €216.000 | €138.000 | €32.400 | €170,400 | | Lufthansa (DE) | €300.000 | €159.700 | €9.840 | €169,540 | Tabelle 2: Geschätzte Gesamtkosten für einen erfahrenen Langstreckenkapitän (2026); ¹ Die gesamte Nettokompensation berechnet sich aus dem Nettojahresgehalt zuzüglich der Rentenrückstellung des Arbeitgebers; ² Das Nettogehalt von KLM enthält eine geschätzte durchschnittliche Gewinnbeteiligung von 26.000 €; ³ Das Nettogehalt von British Airways enthält eine geschätzte neue Gewinnbeteiligung von 5.000 €. Beobachter, die mit der Luftfahrtindustrie nicht vertraut sind, führen oft die hohen Bruttogehälter der Lufthansa-Piloten an, um die Tarifforderungen abzulehnen. Diese Sichtweise vernachlässigt jedoch die hohe Steuerlast in Deutschland und die vergleichsweise geringen Arbeitgeberleistungen des Konzerns. Werden diese Faktoren berücksichtigt, zeigen die Daten, dass das Cockpit-Personal der Lufthansa eine deutlich niedrigere Nettokompensation erhält als die internationale Konkurrenz. Strategisches Outsourcing Das Management nutzt verstärkt Wet-Lease-Verträge mit Drittanbietern, um den Betrieb in Zeiten von Arbeitskämpfen aufrechtzuerhalten. Die Lufthansa hat kürzlich ihre Partnerschaft mit airBaltic um drei Jahre über den Sommer 2025 hinaus verlängert. Diese Vereinbarung sieht den Einsatz von bis zu 21 Airbus A220-300-Flugzeugen während der sommerlichen Spitzenzeiten vor. Diese Abhängigkeit von externer Kapazität umfasst auch häufige Verträge mit CityJet. Im Jahr 2024 verzeichnete das Management den Einsatz von fünf Bombardier CRJ1000-Flugzeugen des externen Anbieters zur Unterstützung des europäischen Streckennetzes. Diese Maßnahmen erlauben es dem Konzern, seinen Flugplan zu erfüllen und dabei die Arbeitsstandards der Kernmarke zu umgehen. Luftscamsa hat aufgedeckt, dass diese Partnerschaften Teil einer langfristigen Strategie sind, die als „Three Plus One“-Modell bezeichnet wird. Dieses Modell, dessen vollständige Umsetzung für 2027 oder 2028 geplant ist, zielt darauf ab, den Betrieb in vier Hauptpfeiler zu gliedern. Diese bestehen aus Lufthansa, City Airlines (VL), Discover und einem strategischen externen Wet-Lease-Partner. Die geplante Struktur spiegelt die bestehende Beziehung zwischen der Konzerntochter SWISS und Helvetic Airways wider. Durch die Integration eines externen Partners in das Kernnetz schafft das Management eine dauerhafte Plattform für kostengünstigere Operationen. Diese Strategie schwächt die Verhandlungsposition der Mainline-Gewerkschaften durch die Institutionalisierung ausgelagerter Kapazitäten. Berechtigte Sorgen Die von den Gewerkschaften während der Verhandlungen geäußerten Sorgen wurden durch das Handeln des Managements bestätigt. Mitte April 2026 gab der Konzern die sofortige und dauerhafte Schließung der Tochtergesellschaft CityLine bekannt. Das Management gab an, dass die Schließung auf gestiegene Kerosinkosten und zusätzliche Belastungen durch Arbeitskämpfe zurückzuführen sei. Diese Entscheidung bestätigt die Position der Gewerkschaft, dass das Personal einen Sozialplan zur Sicherung seiner Vergütung benötigt. Ohne solche Vereinbarungen werden die 2.200 betroffenen Cockpit- und Kabinenmitglieder gedrängt, in schlechter bezahlte Einheiten wie City Airlines (VL) zu wechseln. Diese Wechsel erfordern oft den Verzicht auf etablierte Lohnstufen und Senioritätsrechte. Das Management hat diese Versetzungen meist als einzige Alternative zum Arbeitsplatzverlust angeboten. Dieses Manöver umgeht die Manteltarifverträge, die das CityLine-Personal zuvor geschützt hatten. Es bestätigt die Bereitschaft des Konzerns, etablierte Einheiten aufzulösen, um Finanzarbitrage zu erzielen. Fazit: Ein fragiler Gesellschaftsvertrag Die Untersuchung der weltweiten Vergütung zeigt, dass der den Lufthansa-Besatzungen gebotene Nettogesamtwert bereits heute nicht mehr wettbewerbsfähig ist. Wie in Tabelle 2 festgehalten, verdienen erfahrene Kapitäne deutlich weniger als ihre Kollegen bei großen internationalen Flag-Carriern. Diese finanzielle Lücke ist der Hauptauslöser für die gegenwärtige Phase der Arbeitsunruhe. Das Management hat auf diese Disparität reagiert, indem es die Verlagerung des Flugbetriebs auf billigere Low-Cost-Marken und Wet-Lease-Vereinbarungen mit Drittanbietern beschleunigt hat. Diese Strategie erlaubt es dem Vorstand, die höheren Kosten zu umgehen, die mit dem Mainline-Personal und etablierten Verträgen verbunden sind. Die Abhängigkeit von Partnern wie airBaltic und CityJet höhlt den traditionellen Arbeitsrahmen weiter aus. Diese Entscheidungen resultieren in einem professionellen Umfeld, das durch eine methodische Erosion der Arbeitsplatzsicherheit und die Einführung sekundärer Lohnstufen gekennzeichnet ist. Das Senioritätssystem blockiert weiterhin die Karrieremobilität, während die Rentenänderungen von 2017 das Alterseinkommen der Marktvolatilität aussetzen. Luftscamsa hat festgestellt, dass die Kombination dieser Faktoren das Vertrauen zwischen der Belegschaft und dem Vorstand zerstört hat. Großer Protestmarsch, bei dem Menschen in gelben Westen die Straße füllen. Warum streikten die Piloten und die Besatzung der Lufthansa?

Lufthansa nutzt Wet-Lease-Verträge mit airBaltic, um den Flugbetrieb trotz Streiks aufrechtzuerhalten.

Lufthansa CityLine Bombardier CRJ-900 am Flughafen München

Lufthansa stellte CityLine aufgrund von Arbeitskämpfen ein und entließ 2200 Mitarbeiter.