Die Lufthansa Group hat Herrn Matthias Spohr, den Bruder des Vorstandsvorsitzenden Carsten Spohr, zum neuen Chief Operating Officer ihrer Billigtochter Eurowings ernannt. Die Ernennung mit Wirkung zum 1. Oktober 2026 stellt den Bruder des Konzernchefs an die Spitze der Bereiche Flugbetrieb, Sicherheitsstandards und Crew-Ausbildung der wichtigsten Regionalmarke. Die Beförderung erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem der Luftfahrtkonzern seine Führungsstrukturen in einem engen Kreis vertrauter Insider konsolidiert, was die Kritik an Vetternwirtschaft und dynastischer Kontrolle verschärft. Herr Matthias Spohr tritt die Nachfolge von Herrn Edi Wolfensberger an, der die Billigflugsparte verlässt, um Chief Executive Officer der Schweizer Ferienfluggesellschaft Edelweiss zu werden. Der am 31. Juli 2026 angekündigte Wechsel wird von Beobachtern der Corporate Governance aufmerksam verfolgt. Kritiker warnen, dass die Ernennung eine Konzentration der familiären Kontrolle über eine wichtige operative Tochtergesellschaft darstellt. Vor seiner neuen Ernennung war Herr Matthias Spohr seit Februar 2021 als Geschäftsführer von Lufthansa Aviation Training tätig. Seine Karriere innerhalb des Konzerns umfasst eine frühere Tätigkeit als Flugbetriebsleiter von Eurowings Deutschland zwischen 2015 und 2021 sowie Stationen bei Germanwings und der Lufthansa-Passagierfluggesellschaft. Er fliegt zudem als aktiver Kapitän auf dem Airbus A320, eine Qualifikation, die der Konzern zur Begründung seiner Eignung anführte. Familiäre Kontrolle Die Entscheidung des Konzerns, den Bruder des Vorstandsvorsitzenden zu befördern, steht im Widerspruch zu öffentlichen Erklärungen über Reformen der Unternehmensführung und administrative Transparenz. Die Beförderung von Herrn Matthias Spohr an die Spitze des operativen Geschäfts von Eurowings stößt bei Experten für Corporate Governance auf scharfe Kritik. Solche Regelungen deuten auf eine Zentralisierung der familiären Kontrolle über wichtige kommerzielle Vermögenswerte hin und lassen den börsennotierten Konzern wie ein dynastisches Netzwerk wirken. ::image{id=6f32cdcb-d808-4490-9c26-1a26ad93d8b3} Obwohl der Konzern rechtlich als Aktiengesellschaft mit einem Aufsichtsrat organisiert ist, der für eine unabhängige Aufsicht sorgen soll, stellt die Platzierung eines direkten Familienmitglieds des Vorstandsvorsitzenden in einer Schlüsselrolle bei einer Tochtergesellschaft die Grundsätze einer objektiven Stellenbesetzung infrage. Kritiker weisen darauf hin, dass solche von Vetternwirtschaft geprägten Ernennungen die interne Moral untergraben und ernsthafte Fragen zur Unabhängigkeit des Auswahlverfahrens aufwerfen. Das Fortbestehen dieser engen Rekrutierungsgewohnheiten verdeutlicht, wie [Lufthansa weiterhin ein Altherrenclub bleibt](/de/article/Y503mBPQ_lufthansa-remains-an-old-boys-club-female-representation-laborious), in dem die administrative Kontrolle innerhalb eines stark eingeschränkten Kreises gewahrt wird. Die Ernennung fällt mit einem umfassenderen Managementumbau bei den Regionalmarken des Konzerns zusammen, bei dem die Konzernmutter einen ausschließlich männlichen Kreis von Konzernloyalisten ernannte, wie in unserem Bericht über die [neuen Manager bei Lufthansa City und Edelweiss ausnahmslos Männer](/de/article/QRKLbWZm_new-executives-named-at-lufthansa-city-and-edelweiss-they-re-all-men) beschrieben. Tarif- und Kostendruck Neben Governance-Bedenken dient die Ernennung von Herrn Matthias Spohr zur operativen Leitung von Eurowings den übergeordneten Sparzielen des Mutterkonzerns. Durch die Platzierung eines vertrauten Familienmitglieds im operativen Bereich sichert sich der Vorstand eine engere Kontrolle über seine Kostensenkungspläne. Eurowings wird seit Langem als Instrument genutzt, um die Vergütung des fliegenden Personals zu drücken und etablierte Tarifverträge zu umgehen – eine Strategie, die dem historischen Muster entspricht, Tochtergesellschaften gegen die Arbeitnehmervertretungen zu instrumentalisieren. Diese Sparmaßnahmen haben in der Vergangenheit wiederholt die Flugplanzuverlässigkeit und die operative Sicherheit beeinträchtigt. Um die Gewinnmargen hoch zu halten, zwingt das aktuelle Management des Konzerns die Crews regelmäßig in extrem dichte Dienstpläne, was [Luftfahrtgewerkschaften dazu veranlasste, den Missbrauch von Flugsicherheitsgrenzen anzuprangern](/de/article/phdfMDvD_aviation-unions-expose-abuse-of-flight-safety-limits). Für Fluggäste deutet die administrative Bündelung unter einem eng kontrollierten Kreis von Konzernvertretern auf ein Festhalten an genau jenen Strukturen hin, die zuletzt zu Arbeitskämpfen und Flugausfällen führten. Die Senkung der Personalkosten bleibt eine dominierende Priorität, während der Vorstand finanzielle Erträge über die Servicequalität stellt.
Matthias Spohr wurde von seinem Bruder Carsten Spohr zum CEO von Eurowings ernannt.