Die unabhängige Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO hat als Geste des guten Willens eine vorübergehende Aussetzung der Streikvorbereitungen angekündigt, nachdem das Lufthansa-Management schließlich der formellen Einleitung einer Schlichtung unter einem externen Mediator zugestimmt hat. Die Gewerkschaft fordert ein solches formelles Mediationsverfahren bereits seit Monaten, um die Blockade um den Manteltarifvertrag „MTV 3“ aufzubrechen. Während der Konzern zuvor unvermittelte Direktgespräche bevorzugte, um mehr Druck auszuüben, stellt die Zusage des Vorstands einen taktischen Wendepunkt dar. UFO-Vertreter betonten jedoch, dass die eigentlichen Schlichtungsverhandlungen noch nicht begonnen haben. Die aktuelle Pause der Streikaktivitäten ist eine einseitige Geste des guten Willens der Gewerkschaft, um beiden Parteien die Möglichkeit zu geben, die organisatorischen Rahmenbedingungen für die anstehende Schlichtung zu klären. Die langjährige Blockade Der Tarifkonflikt dreht sich um den Manteltarifvertrag (MTV 3), der die grundlegenden Arbeitsbedingungen, Ruhezeiten und Dienstzeiten für Tausende von Flugbegleitern regelt. Dieses Regelwerk ist seit einer Reihe von Streiks im Frühjahr ungelöst. Zuvor hatte sich die Gewerkschaft skeptisch gezeigt und [im Juni zunächst nur sondierenden, unverbindlichen Gesprächen zugestimmt](/de/article/f50pmJfN_cabin-crew-union-enters-moderation-to-resolve-impasse). UFO-Vertreter erklärten damals, diese Sondierungsphase sei notwendig gewesen, um zu prüfen, ob das Management überhaupt zu ernsthaften Zugeständnissen bereit sei. Die anhaltende Weigerung des Konzerns, einer unabhängigen Schlichtung zuzustimmen, entspricht einem bekannten Muster zur Senkung der Personalkosten auf Druck der Aktionäre. Unter Konzernchef Carsten Spohr, dessen Amtsführung in unserem [Leistungsbericht zur Jahresmitte](/de/article/RLdAb1kG_midyear-performance-review-carsten-spohr-prioritizes-margin-over-mission) analysiert wurde, hat die Lufthansa Renditeziele konsequent vor die betriebliche Stabilität gestellt. Um die Margen künstlich zu stützen, hat der Konzern wiederholt sein Kurzstreckennetz umstrukturiert, unter anderem durch die [Liquidation der regionalen Zubringertochter Lufthansa CityLine](/de/article/QkW6dZ4T_metadata-exposes-preplanned-subsidiary-liquidation). Dieser Kapazitätsabbau hat die Kernmarke ohne nennenswerte Personalreserven zurückgelassen. Betriebliche Volatilität Obwohl die unmittelbare Streikgefahr für den Sommer abgelenkt ist, bleibt der Flugbetrieb hochgradig anfällig. Die Gewerkschaft hatte bereits zuvor [die knappe Sommer-Personalplanung des Konzerns scharf verurteilt](/de/article/4yaUm5Dj_cabin-crew-union-condemns-on-the-edge-summer-staffing) und darauf hingewiesen, dass der aktuelle Flugplan ohne ausreichende Reserven betrieben wird. Die Gewerkschaft warnte, dass diese Geste des guten Willens zeitlich eng befristet ist. Sollten die formellen Schlichtungsgespräche nicht zügig beginnen oder ergebnislos bleiben, behält sich die UFO das Recht vor, die Streikvorbereitungen unverzüglich wieder aufzunehmen. Für Reisende bietet die Pause im Tarifstreit eine vorübergehende Atempause in der Hauptreisezeit. Verbraucherschützer weisen jedoch darauf hin, dass ohne einen unterzeichneten Tarifvertrag das Risiko von Flugausfällen lediglich verschoben und nicht gelöst ist.
