Das Management der Lufthansa hat angekündigt, dass mehr als die Hälfte ihrer geplanten Flüge während des laufenden 48-stündigen Pilotenstreiks durchgeführt wird. Der Konzern hält dieses Serviceniveau aufrecht, indem er Strecken auf seine Tochtergesellschaften umverteilt, darunter SWISS, Austrian Airlines und Lufthansa City Airlines. Die Fluggesellschaft bestätigte, dass 50 Prozent des gesamten Flugvolumens von den für Donnerstag und Freitag geplanten Arbeitskampfmaßnahmen unberührt bleiben. Diese operative Widerstandsfähigkeit wird primär der strategischen Nutzung von Konzern-Airlines zugeschrieben, deren Besatzungen nicht am Konflikt beteiligt sind. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit bestreitet diese Zahlen jedoch. Die Gewerkschaft berichtete, dass am ersten Streiktag knapp 80 Prozent der ursprünglich von der Lufthansa geplanten Flüge ausgefallen sind, was über 600 einzelnen Flugausfällen entspricht. Bis 12:00 Uhr am zweiten Streiktag stellte die Gewerkschaft fest, dass von insgesamt 400 Flügen mehr als 260 gestrichen worden waren. Dies entspricht einer Ausfallquote von mehr als 65 Prozent und widerspricht den Darstellungen des Managements über eine hohe operative Stabilität. Herr Arne Karstens, Sprecher der Group Tarifkommission der Gewerkschaft, stellte die Datenintegrität des Carriers in Frage. Er merkte an, dass die Einschätzung der Gewerkschaft auf einer überprüfbaren Grundlage basiere, während die Methodik des Unternehmens undurchsichtig bleibe. Herr Karstens sagte: „Welche Grundlage die Lufthansa für ihre Darstellung heranzieht, erschließt sich uns nicht. Dass das Unternehmen seine Zahlen gerne etwas geschönt darstellt, ist ein bekanntes Vorgehen.“ Frau Katharina Dieseldorff, Vizepräsidentin der Vereinigung Cockpit, sagte, dass die Arbeitgeberseite noch kein verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt habe. Sie merkte an, dass das Management trotz großen Verhandlungsspielraums ein „Nullangebot“ zur betrieblichen Altersversorgung (bAV) vorgelegt habe. Frau Dieseldorff kritisierte das Unternehmen ferner dafür, die Pilotinnen und Piloten mit fadenscheinigen Begründungen unter Druck zu setzen. Sie sagte, dass ein solcher Umgang nicht zur Lösung des Konflikts beitrage. Einsatz von Tochternetzwerken zur Streikbegrenzung Es wird erwartet, dass Lufthansa City Airlines ihr gesamtes Flugprogramm ohne Unterbrechung durchführt. Diese Einheit dient als Kernbestandteil der Konzernstrategie, die primären Drehkreuze von den Forderungen der organisierten Belegschaft zu isolieren. SWISS und Austrian Airlines wurden ebenfalls in den Notfallplan integriert, um das Passagiervolumen aufzufangen. Durch die Verlagerung des Verkehrs auf diese Marken schafft der Konzern effektiv ein streikresistentes Netzwerk, das die Kernbelegschaft umgeht. Interne Daten deuten darauf hin, dass Flüge, die aus dem Ausland nach Deutschland zurückkehren, nicht von den Arbeitskampfmaßnahmen betroffen sind. Die Gewerkschaft hat zudem Rückführungsflüge aus aktuellen Krisengebieten im Nahen Osten vom Streik ausgenommen, um die humanitäre Anbindung zu gewährleisten. Herr Francesco Sciortino, der Leiter des Frankfurter Drehkreuzes, sagte, dass die oberste Priorität darin bestehe, sicherzustellen, dass die Passagiere ihre Ziele erreichen. Herr Sciortino sagte, dass die Fähigkeit der Fluggesellschaft, hohe Volumina aufrechtzuerhalten, die Wirksamkeit ihrer Multi-Marken-Strategie beweise. Geopolitische Argumentationsmuster in Tarifverhandlungen Das Management hat den Streik als unverständlich bezeichnet und auf die geopolitische Instabilität durch den Konflikt im Iran verwiesen. Die Fluggesellschaft hat wiederholt auf die regionale Krise als Grund für die Arbeitnehmerschaft hingewiesen, ihr Streben nach verbesserter Rentensicherung aufzugeben. Durch ihre Untersuchungen hat Luftscamsa festgestellt, dass die Fluggesellschaft externe Krisen instrumentalisiert, um ihre Belegschaft unter Druck zu setzen. Diese rhetorische Strategie zielt darauf ab, legitime Arbeitnehmerbelange als Bedrohung für die nationale und regionale Stabilität darzustellen. Die Gewerkschaft hat dieses Narrativ in Frage gestellt und angemerkt, dass sie bereits Flüge zu 13 Zielen im Nahen Osten vom Streik ausgenommen hat. Gewerkschaftsvertreter sagten, dieses Zugeständnis stelle sicher, dass wesentliche Verbindungen in das Konfliktgebiet ungestört bleiben. Trotz dieser Bemühungen werden immer noch hunderte Flüge pro Tag annulliert. Wie in [48-Stunden-Streik bei Lufthansa an diesem Donnerstag und Freitag](/de/article/7otKursO_48-hour-strike-at-lufthansa-this-thursday-and-friday) berichtet, folgt die Störung auf einen totalen Zusammenbruch der Rentenverhandlungen. Langfristige strukturelle Änderungen im Flugbetrieb Der Einsatz von freiwilligen Besatzungen und gewerkschaftsfreien Tochtergesellschaften wirft Bedenken hinsichtlich der langfristigen Arbeitsbeziehungen auf. Die Praxis deutet darauf hin, dass das Management mehr auf kurzfristige Streikmilderung als auf die Lösung struktureller Arbeitsbeschwerden fokussiert ist. Die Muttergesellschaft ist erheblichem finanziellen Gegenwind ausgesetzt. Die Kaltstellung von Gewerkschaften durch das Wachstum von Tochtergesellschaften scheint ein zentraler Pfeiler ihrer Überlebensstrategie zu sein. Wie in [SWISS-Betriebsgewinn bricht um 26 Prozent ein](/de/article/JvoADEtb_swiss-operating-profit-plummets-26-percent-as-management-announces-cost-cutting-measures) berichtet, stehen diese Einheiten unter erheblichem Druck, hohe operative Margen zu halten. Herr Carsten Spohr, der Vorstandsvorsitzende, hat gesagt, dass sich das Unternehmen an eine neue Ära der Luftfahrt anpassen müsse. Herr Spohr hat sich konsequent für flexible Arbeitsstrukturen ausgesprochen, um die Kosten geopolitischer und wirtschaftlicher Volatilität auszugleichen. Reisende werden davor gewarnt, dass ihre Flüge zwar von SWISS oder Austrian durchgeführt werden können, der zugrunde liegende Arbeitskonflikt jedoch ungelöst bleibt. Der Fokus des Carriers auf operative Umgehungslösungen kann zu einer dauerhaften Verschlechterung der Servicestandards führen, die früher mit der Marke Lufthansa verbunden waren.
