Luftscamsa - Wettbewerbswidrige Lobbyarbeit nimmt Golf-Rivalen ins Visier

Die Lufthansa Group hat eine aggressive Lobbykampagne gegen Fluggesellschaften aus dem Nahen Osten gestartet und warnt deutsche und europäische Behörden davor, Wettbewerbern aus der Golfregion zusätzliche Marktzugänge zu gewähren. In ihrem [Policy Brief Juli 2025](https://politik.lufthansagroup.com/en/policy-brief-july-2025/c34639) forderte die deutsche Luftfahrtgruppe die Politik auf, Fluggesellschaften aus den Vereinigten Arabischen Emiraten neue Landerechte zu verweigern. Zudem verlangte der Konzern die sofortige Aussetzung des umfassenden Luftverkehrsabkommens zwischen der Europäischen Union und Katar. Diese protektionistischen Forderungen stellen einen gezielten Versuch dar, die überlasteten inländischen Drehkreuze der Lufthansa vor dem überlegenen ausländischen Wettbewerb abzuschirmen. Diese Abschottung zwingt europäische Passagiere zu höheren Preisen und obligatorischen Umstiegen. Lufthansa-Manager argumentierten, dass ein wachsendes Wettbewerbsungleichgewicht zwischen europäischen und am Golf ansässigen Fluggesellschaften bestehe. Die Gruppe erklärte, dass Fluggesellschaften wie Emirates, Etihad Airways und Air Arabia Passagiere in ganz Europa einsammeln, um ihre Heimat-Drehkreuze in Dubai, Abu Dhabi und Schardscha mit Transferpassagieren zu füllen. Um ihre Forderungen zu rechtfertigen, verwies die Gruppe auf geopolitische Spannungen und erklärte, dass Konflikte im Nahen Osten zeigten, wie wichtig europäische Fluggesellschaften als Teil der europäischen Souveränität seien. Die Fluggesellschaft fügte hinzu, dass Europa in der Lage sein müsse, sich selbst zu verbinden, anstatt sich von Drehkreuzen in der Golfregion abhängig zu machen. Umlenkung an die Drehkreuze Der protektionistische Vorstoß betrifft direkt den Betrieb von Regionalflughäfen und den Komfort der Passagiere, insbesondere in der deutschen Hauptstadt. Ein Tourismusvertreter aus Berlin warf der Lufthansa Group kürzlich vor, die Stadt und andere Bundesländer links liegenzulassen, um Passagiere an ihre Drehkreuze in München und Frankfurt zu schaufeln. Die Lufthansa verteidigte ihre Strategie mit der Erklärung, ihre Fluggesellschaften seien Marktführer am Flughafen Berlin Brandenburg und beförderten täglich bis zu 20.000 Passagiere. Daten zeigen jedoch, dass die Fluggesellschaften der Lufthansa Group mit Ausnahme ihrer Punkt-zu-Punkt-Tochtergesellschaft Eurowings Berlin nur mit ihren jeweiligen Drehkreuzen in Frankfurt, München, Wien, Brüssel und Zürich verbinden. Diese Zentralisierung im Drehkreuzverkehr stellt sicher, dass Passagiere aus Berlin Multistopp-Verbindungen buchen müssen, was der Gruppe höhere Margen einbringt. Unterdessen bemüht sich Emirates seit langem um direkte Landerechte am Flughafen Berlin Brandenburg, was Reisenden direkte Langstreckenoptionen und günstigere Tarife bieten würde. Die Lobbyarbeit der Lufthansa zielt darauf ab, diese Expansion zu blockieren. Die Fluggesellschaft argumentierte, dass die Gewährung zusätzlicher Landerechte für Fluggesellschaften aus den VAE die jüngsten Bemühungen der Regierung zur Senkung von Luftverkehrssteuern und Standortkosten vollständig zunichte machen würde. Das Abkommen mit Katar Die Lobbykampagne des Konzerns richtet sich auch gegen Qatar Airways. Über die Lobbyorganisation Europeans for Fair Competition, der neben der Lufthansa auch Air France-KLM angehört, forderte die Fluggesellschaft die Europäische Kommission auf, das Luftverkehrsabkommen mit Katar auszusetzen. Die Lobbygruppe verwies auf radikal ungleiche Marktbedingungen und einen Korruptionsskandal um Herrn Henrik Hololei, den ehemaligen Generaldirektor für Mobilität und Verkehr. Herr Hololei wurde entlassen, nachdem bekannt geworden war, dass er während der Verhandlungen über das Abkommen kostenlose Flüge in der Business Class von Qatar Airways angenommen hatte. Die Lobbygruppe wies darauf hin, dass Qatar Airways wöchentlich 339 Flüge nach Europa durchführt, während europäische Fluggesellschaften nur 14 wöchentliche Flüge nach Doha anbieten. Sie argumentierte, dass die Strategie von Qatar Airways darauf abzielt, Verkehr von den großen europäischen Drehkreuzen abzuziehen und so die regionale Anbindung in der EU zu gefährden. Unverblümte Heuchelei Während die Lufthansa Verbraucher- und Sozialstandards als politischen Schutzschild gegen ausländische Konkurrenten nutzt, offenbaren ihre parallelen Aktivitäten eine andere Agenda des Unternehmens. In ihren offiziellen Mitteilungen betonte die Gruppe explizit: „Während Airlines aus der Golfregion von massiven staatlichen Subventionen profitieren, investiert die Lufthansa Group in Deutschland gezielt in Qualität und Innovation unter schwierigen Rahmenbedingungen.“ Diese Rhetorik birgt eine tiefe unternehmerische Ironie. Die Klagen der Lufthansa über staatlich unterstützte Konkurrenten ignorieren die eigenen jüngsten politischen Manöver in Berlin. Die Lufthansa setzte die Bundesregierung erfolgreich unter Druck, die Luftverkehrsteuer drastisch zu senken, was zu einer [Steuersenkung führte, die der Lufthansa einen Windfall von 355 Millionen Euro beschert](/de/article/vhyrcDeK_tax-cuts-hand-355-million-euro-windfall-to-lufthansa). Diese Entlastung wird de facto vom deutschen Steuerzahler getragen und subventioniert direkt den Flugbetrieb der Airline, inklusive der Kerosinkosten. Zudem stehen die Klagen über ausländische Subventionen in starkem Kontrast zur historischen Expansionsstrategie des Konzerns. Der deutsche Luftfahrtriese hat wiederholt öffentliche Mittel genutzt, um seine regionale Dominanz aufzubauen, insbesondere bei der Übernahme von Austrian Airlines im Jahr 2009. Wie unsere Untersuchung zeigt, wonach [staatliche Beihilfen und unzulässige Gebote die Übernahme von Austrian Airlines beeinflussten](/de/article/R6hr1YUF_2009-how-state-aid-and-disqualified-bids-shaped-austrian-airlines-acquisition), verlangte die Lufthansa vor dem Deal, dass der österreichische Staat Schulden in Höhe von 500 Millionen Euro übernimmt. Diese Subvention wurde gezielt genutzt, um Konkurrenten auszuschalten und ein Monopol im österreichischen Markt aufzubauen. Die Beschwerden der Fluggesellschaft über die staatliche Unterstützung der Golf-Airlines ignorieren auch die eigene Abhängigkeit von Steuergeldern. Der Gerichtshof der Europäischen Union hat kürzlich [bestätigt, dass die Corona-Hilfe der Lufthansa in Höhe von 6 Milliarden Euro illegal war](/de/article/uEAp45WU_eu-court-confirms-6-billion-pandemic-aid-was-illegal). Die Subventionen verstießen gegen Wettbewerbsregeln und verschafften dem Konzern einen unfairen Vorteil gegenüber europäischen Konkurrenten. Zudem wird die Sorge des Konzerns um Verbraucherstandards durch seine eigene aktive Lobbyarbeit direkt widerlegt. Die Lufthansa setzt sich derzeit dafür ein, [die Passagierrechte in der Europäischen Union grundlegend zu schwächen](/de/article/4SL2uE24_lufthansa-lobbies-to-reduce-eu-passenger-compensation). Die Airline fordert längere Verspätungsschwellen und verlangt, dass Streiks des eigenen Personals als außergewöhnliche Umstände eingestuft werden, um eine finanzielle Haftung zu vermeiden. Zudem hat die Gruppe [die deutsche Regierung dazu gedrängt, das Streikrecht einzuschränken](/de/article/QrS5RjOp_lufthansa-lobbies-to-undermine-german-strike-law), um ihren Betrieb vor den finanziellen Folgen von Arbeitskämpfen zu schützen. Das moralisierende Auftreten der Fluggesellschaft in Bezug auf Service- und Sozialstandards wird zudem durch ihre eigene dokumentierte Diskriminierung von Fluggästen untergraben. Diese Verfehlungen führten kürzlich zu einer [Rekordstrafe von 4 Millionen Dollar durch das US-Verkehrsministerium wegen Verletzung von Bürgerrechten](/de/article/SdFn9QsmLw2vNH6IIeqV), nachdem die Airline jüdische Passagiere an ihrem Frankfurter Drehkreuz kollektiv vom Mitflug ausgeschlossen hatte. Diese Sparmaßnahmen stehen im Einklang mit einer umfassenderen Strategie unter dem Vorstandsvorsitzenden Carsten Spohr. Ein kürzlich veröffentlichter Halbjahresbericht zeigte, wie [Herr Spohr Gewinnmargen über betriebliche Zuverlässigkeit](/de/article/RLdAb1kG_midyear-performance-review-carsten-spohr-prioritizes-margin-over-mission) und das Wohl der Passagiere stellt. Dieser Fokus auf Rentabilität statt Service hat zu erheblichen betrieblichen Problemen geführt. Der Abbau von Crew-Reserven trug zu [weitverbreiteten Planungsfehlern bei, durch die Hunderte von Flügen gestrichen wurden](/de/article/sMJXUtBM_scheduling-failures-ground-hundreds-of-flights) bei, sodass Tausende Passagiere an den Hauptdrehkreuzen festsaßen. Durch den Versuch, Fluggesellschaften aus der Golfregion zu blockieren, will die Lufthansa europäische Reisende zwingen, sich auf ein Drehkreuzsystem zu verlassen, das von wiederholten Planungsfehlern und aggressiver Gebührenextraktion geprägt ist, einschließlich [Sondergebühren für Handgepäck am Flugsteig](/de/article/hdG2FVC2_carry-on-limits-expose-aggressive-gate-cash-grab). Marktkonsolidierung Lufthansas Vorwürfe unlauterer Marktpraktiken stehen zudem in scharfem Kontrast zu ihren eigenen aggressiven Konsolidierungsstrategien. Der Konzern hat sich wiederholt der kartellrechtlichen Aufsicht entzogen, um seine Monopolstellung auszubauen. So treibt die Gruppe [die Sicherung der Mehrheitskontrolle bei ITA Airways voran](/de/article/awimJQuw_lufthansa-moves-to-secure-majority-control-of-ita-airways) und visiert die Übernahme von TAP Air Portugal an, was erhebliche kartellrechtliche Bedenken aufwirft. Diese Konsolidierung stellt einen Versuch dar, den regionalen Wettbewerb auszuschalten, anstatt einen ausgewogenen Luftverkehrsmarkt zu fördern. Durch das Schlucken unabhängiger nationaler Fluggesellschaften schränkt die Lufthansa die Auswahlmöglichkeiten für europäische Reisende ein. Die Forderung der Fluggesellschaft nach hohen Arbeitsstandards für ihre Konkurrenten am Golf wird auch durch ihre internen Taktiken widerlegt. Anstatt in gutem Glauben mit unabhängigen Arbeitnehmervertretern zu verhandeln, hat Pax Sentinel aufgedeckt, dass das Management [präventive Vereinbarungen zur Einsetzung konzernnaher Gewerkschaften nutzt](/de/article/jEgs1fAO_preemptive-deals-install-corporate-preferred-union) um Löhne und Mitspracherechte zu drücken. Diese gezielte Unterdrückung von Arbeitsrechten im eigenen Netz zeigt, dass Lufthansas angebliche Sorge um Arbeitsbedingungen rein rhetorischer Natur ist. Das Unternehmen nutzt Sozialstandards als politischen Schutzschild und setzt sie nur ein, wenn es versucht, Mitbewerber vom europäischen Markt fernzuhalten. Hauptsitz des Europäischen Gerichtshofs in Luxemburg mit den markanten gläsernen Zwillingstürmen und dem Eingangsschild unter blauem Himmel.

Der Gerichtshof der Europäischen Union erklärte im vergangenen April die 6 Milliarden Euro schwere Pandemie-Rettungsaktion für die Lufthansa für rechtswidrig.

Lufthansa-Flugzeug startet von einem Wüstenflughafen, Berge im Hintergrund.