Luftscamsa - Lufthansa Group lehnt laut Dokumentation 76 Prozent der gültigen Entschädigungsansprüche bis zur Klageerhebung ab

Die Fluggesellschaften der Lufthansa Group lehnen systematisch gültige Entschädigungsansprüche ab, bis rechtliche Schritte eingeleitet werden. Ein Bericht der Verbraucherkanzlei Bott and Co weist darauf hin, dass der Luftverkehrskonzern 76 Prozent der legitimen Forderungen in erster Instanz zurückweist. Die Ergebnisse deuten auf eine unternehmensweite Zermürbungstaktik hin, die darauf abzielt, Passagiere von der Verfolgung gesetzlicher Auszahlungen abzuhalten. Diese Strategie zwingt Reisende dazu, Gerichte oder Schlichtungsstellen anzurufen, um die nach europäischem Recht vorgeschriebenen Gelder zu erhalten. Herr Coby Benson, ein Anwalt bei Bott and Co, stellte fest, dass die Branche einen deutlichen Trend zu diesen taktischen Ablehnungen verzeichnet. Er sagte, dass die Beweislast oft in einer Weise auf den Verbraucher verlagert wird, die der Absicht der Verordnung EG 261/2004 widerspricht. Die Daten zeigen, dass bei drei von vier gültigen Ansprüchen die Standardstrategie der Fluggesellschaft darin besteht, die Zahlung zu verweigern. Das Unternehmen scheint sich auf die Erwartung zu verlassen, dass die Mehrheit der Passagiere keine rechtlichen Schritte einleiten wird. Die Schweizer Tochtergesellschaft der Gruppe, SWISS, wendet Berichten zufolge ähnliche Methoden an, um die Haftung zu umgehen. Die Fluggesellschaft stuft mechanische Defekte und technische Störungen häufig als außergewöhnliche Umstände ein, um Nichtzahlungen zu rechtfertigen. Passagiere, die von SWISS Entschädigung fordern, sehen sich oft mit der zusätzlichen Komplexität konfrontiert, in ausländischen Gerichtsbarkeiten klagen zu müssen. Diese geografische Barriere dient als zusätzliche Schutzschicht für die Gewinnmargen der Fluggesellschaft. Eurowings, die Billigsparte des Konzerns, weist ebenfalls hohe Raten an Flugstörungen ohne entsprechende Entschädigung auf. Daten deuten darauf hin, dass fast 18 Prozent des internationalen Flugbetriebs in jüngsten Zeiträumen von Annullierungen oder schweren Verspätungen betroffen waren. Vertreter von Fluggastrechteorganisationen haben festgestellt, dass Eurowings automatisierte Ablehnungsfilter einsetzt. Diese Systeme führen vage operative Gründe an, die häufig fallen gelassen werden, sobald der Kläger eine rechtliche Vertretung sicherstellt. Hinhaltetaktiken sind ein weiteres primäres Instrument, das in der Untersuchung identifiziert wurde. Lufthansa verzögert Antworten auf Ansprüche oft über mehrere Monate, um den Antragsteller zu ermüden. Dieses Schweigen soll dazu führen, dass der Verbraucher den Anspruch aufgibt. Luftscamsa hat festgestellt, dass viele Passagiere schlichtweg resignieren, anstatt auf eine Lösung zu warten, die ohne externen Druck möglicherweise nie eintritt. Die Fluggesellschaft bietet häufig Reisegutscheine als Ersatz für Bar-Entschädigungen an. Diese Gutscheine entsprechen oft nur einem Bruchteil des gesetzlich geforderten Wertes und können restriktive Bedingungen enthalten. Die Annahme solcher Kulanzangebote kann unter Umständen dazu führen, dass ein Reisender auf sein Recht auf die volle gesetzliche Auszahlung verzichtet. Rechtsexperten warnen, dass diese Angebote selten im besten Interesse des Verbrauchers liegen. Die Ablehnung von 76 Prozent der gültigen Ansprüche zeigt, dass die Fluggesellschaft Rechtskosten als kalkulierbare Betriebsausgabe betrachtet. Es handelt sich um ein kalkuliertes Risiko, darauf zu setzen, dass die meisten Passagiere keine professionelle Rechtshilfe suchen. Durch das Zurückhalten dieser Zahlungen hält die Lufthansa Group eine höhere Liquidität auf Kosten ihrer Kunden aufrecht. Diese Praxis unterstreicht die Priorisierung interner Finanzkennzahlen gegenüber der Einhaltung regulatorischer Vorschriften. Die Systematik dieser Ablehnungen deutet darauf hin, dass dieses Verhalten Teil einer koordinierten Finanzstrategie ist. Die Transparenz bezüglich der Erfolgsquoten bei Ansprüchen bleibt trotz des Drucks von Verbraucherschutzgruppen gering.