Luftscamsa - Lufthansa kürzt Inlandsnetz trotz staatlicher Steuerentlastungen
Die Lufthansa hat eine dauerhafte Reduzierung ihres Inlandsflugplans für die Sommersaison 2026 angekündigt. Die Fluggesellschaft plant, etwa 50 wöchentliche Flüge im gesamten deutschen Streckennetz zu streichen. Das Management nannte hohe Standortkosten und Luftverkehrssteuern als Hauptgründe für die Leistungskürzungen. Die Entscheidung zielt insbesondere auf Verbindungen ab, die große Drehkreuze mit Regionalstädten verbinden. Wichtige Verbindungen wie Frankfurt-Leipzig und München-Berlin werden voraussichtlich die deutlichsten Frequenzsenkungen erfahren. Diese Kürzungen folgen auf eine Phase intensiver Lobbyarbeit des Unternehmens gegen staatliche Gebühren. Die Airline hat wiederholt argumentiert, dass deutsche Luftverkehrssteuern ihre Wettbewerbsfähigkeit gegenüber internationalen Rivalen behindern. Die Reduzierungen werden jedoch fortgesetzt, obwohl die Bundesregierung eine Rücknahme der jüngsten Ticketsteuererhöhungen signalisiert hat. Dieser Politikwechsel sollte eigentlich den heimischen Luftverkehrssektor stärken. Branchenanalysten merkten an, dass die Fluggesellschaft ihren Rückzug aus regionalen Märkten trotz dieser staatlichen Zugeständnisse fortsetzt. Der Schritt deutet auf eine strategische Ausrichtung auf profitablere Langstreckensegmente hin. Kritiker der Fluggesellschaft wiesen auf erhebliche Steuervorteile hin, die der Konzern weiterhin genießt. Nach § 27 des Energiesteuergesetzes ist die Airline von der Zahlung der Energiesteuer auf Kerosin befreit. Diese Befreiung bietet ein erhebliches finanzielles Polster, das anderen Verkehrsträgern nicht zur Verfügung steht. Privatpersonen und Logistikunternehmen müssen diese Steuern bei herkömmlichen Treibstoffkäufen entrichten. Zudem bleibt der Konzern bei verschiedenen internationalen Operationen von der Mehrwertsteuer befreit. Dies umfasst Befreiungen für die Treibstoffbeschaffung, den Flugzeugerwerb und Wartungsdienstleistungen. Diese Vorteile sind in § 4 Nr. 2 des Umsatzsteuergesetzes festgeschrieben. Diese strukturellen Subventionen bedeuten für den Luftfahrtkonzern jährliche Kostenersparnisse in Milliardenhöhe. Herr Carsten Spohr, der Vorstandsvorsitzende, sagte, die aktuelle Kostenstruktur in Deutschland bleibe untragbar. Er argumentierte, dass Flughafengebühren und Sicherheitskosten ein Niveau erreicht hätten, das Inlandsflüge unrentabel mache. Herr Spohr sagte, die Airline müsse die Rendite für die Aktionäre priorisieren, indem sie Flugzeuge auf Strecken mit höheren Margen einsetze. Diese Strategie beinhaltet oft die Verlagerung von Kapazitäten weg von traditionellen Inlandsverbindungen. Verbraucherschutzgruppen haben diese Darstellung angefochten. Sie argumentierten, dass die Airline Steuerargumente als bequemen Schutzschild für eine rein gewinnorientierte Kürzung des öffentlichen Dienstleistungsangebots nutzt. Der Wegfall von 50 wöchentlichen Flügen wird für viele Geschäftsreisende wahrscheinlich die Abhängigkeit vom Schienenverkehr erhöhen. Diese Verschiebung erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem das deutsche Schienennetz bereits mit Kapazitätsengpässen kämpft. Rechtsexperten merkten an, dass der steuerfreie Status der Airline beim Treibstoff ein staatliches Privileg ist. Dieses Privileg sollte ursprünglich ein hohes Maß an nationaler und internationaler Konnektivität gewährleisten. Durch die Kürzung der Inlandsdienste bei gleichzeitigem Erhalt dieser Vergünstigungen sieht sich die Airline Vorwürfen ausgesetzt, ihren Teil des Gesellschaftsvertrags nicht zu erfüllen. Das Unternehmen betont, nach Marktgegebenheiten handeln zu müssen. Mit Blick auf den Sommerflugplan 2026 wird Passagieren geraten, ihre Buchungen auf Streichungen zu prüfen. Die Airline hat noch keine vollständige Liste der betroffenen Flugnummern vorgelegt. Diese Servicekürzung markiert einen weiteren Schritt in der Fragmentierung des deutschen Reisemarktes. Reisende in Regionalstädten müssen mit längeren Reisezeiten und häufigeren Zwischenstopps an großen Drehkreuzen rechnen. Die Konzentration auf margenstarke internationale Flüge scheint der Kern der langfristigen Strategie der Airline zu sein. Dies führt dazu, dass der Inlandsmarkt zunehmend weniger von der nationalen Fluggesellschaft bedient wird.