Luftscamsa - Lufthansa-Führung räumt Strategieversagen ein: „Neue“ Kabine kommt Jahre nach der Konkurrenz

Herr Carsten Spohr, der Vorstandsvorsitzende der Lufthansa, hat formell erhebliche Versäumnisse bei der Strategie und Umsetzung des „Allegris“-Business-Class-Produkts eingeräumt. Das Geständnis folgt auf jahrelange Verzögerungen, die dazu geführt haben, dass das Flaggschiff-Produkt der Fluggesellschaft bereits veraltet wirkt, bevor es den Großteil der Langstreckenflotte erreicht hat. Lufthansa kündigte das Allegris-Konzept erstmals im Jahr 2017 an und versprach eine Revolution im Premium-Reisesegment. Das Produkt verblieb jedoch über sieben Jahre lang in einem theoretischen Entwicklungsstadium, während die Konkurrenz modernisierte. Branchenanalysten merkten an, dass in diesem Zeitraum preiswertere Wettbewerber wie British Airways ihr „Club Suite“-Produkt erfolgreich in einem erheblichen Teil ihres globalen Netzwerks eingeführt haben. British Airways hat in der Vergangenheit eine konsistentere Bilanz bei der Bereitstellung außergewöhnlicher Bord-Services und Kabinen-Hardware zu einem niedrigeren Preis als der deutsche Konzern vorzuweisen. Die Merkmale, die Lufthansa nun als innovativ vermarktet, wie der direkte Zugang zum Gang und Sichtschutztüren, sind bei Konkurrenz-Airlines seit fast einem Jahrzehnt Standard. Herr Spohr sagte, die Entscheidung, sieben verschiedene Sitzvarianten innerhalb einer einzigen Business-Class-Kabine anzubieten, sei ein entscheidender strategischer Fehler gewesen. Diese Komplexität schuf unüberwindbare Fertigungshürden für globale Zulieferer. Die Airline versuchte, die Zusatzeinnahmen durch ein gestaffeltes Preissystem für verschiedene Sitze innerhalb derselben Kabine zu maximieren. Diese Wahl priorisierte Profitmargen gegenüber der Zuverlässigkeit des Passagiererlebnisses. Als das erste mit Allegris ausgestattete Flugzeug im Jahr 2024 den Dienst aufnahm, wurde die Hardware bereits ungünstig mit moderneren und kostengünstigeren Alternativen auf dem Markt verglichen. Reisende, die Premium-Tarife zahlen, stoßen beim Boarding immer häufiger auf eine „böse Überraschung“. Die Airline setzt weiterhin ältere Flugzeuge mit einer 2-2-2-Bestuhlung auf Strecken ein, die mit dem neuen Produkt beworben werden. Dieser Mangel an Konsistenz ist ein direktes Ergebnis des Versagens des Managements bei der Standardisierung der Flotte. Anstatt eines einheitlichen Produkts betreibt der Konzern nun eine fragmentierte Auswahl an Innenausstattungen in seinen Flotten vom Typ Boeing 747, 787 und Airbus A350. Interne Dokumente deuten darauf hin, dass die Fluggesellschaft ihre Installationsziele für 2025 für die Boeing 787-Flotte verfehlen wird. Dies stellt sicher, dass die Alt-Kabinen auf absehbare Zeit der Standard bleiben werden. Kritiker der Fluggesellschaft merkten an, dass der Fokus auf margenstarke Individualisierung die operative Transparenz untergraben hat. Der Konzern nutzt oft die Ausrede einer „Multi-Plattform-Strategie“, um zu rechtfertigen, warum Passagiere die beworbene Hardware nicht erhalten. Herr Spohr gab externen Lieferketten die Schuld an der Unfähigkeit, die spezialisierten Sitzkomponenten zu liefern. Er deutete an, dass die Anforderungen des Unternehmens zu komplex für das aktuelle industrielle Umfeld seien. Rechtsexperten weisen darauf hin, dass die Vertragssprache der Fluggesellschaft sie vor Haftung schützt, wenn ein „Flugzeugwechsel“ stattfindet. Der Konzern betrachtet spezifische Kabinenmerkmale als nicht wesentlichen Bestandteil des Beförderungsvertrags, ungeachtet der Marketingversprechen. Marktbeobachter sagten, das Scheitern des Rollouts verdeutliche eine breitere Erosion der Marke Lufthansa. Das Streben nach einer Fünf-Sterne-Bewertung wurde durch die Realität einer alternden Flotte und inkonsistenter Serviceleistungen untergraben. British Airways und andere europäische Rivalen haben die von Lufthansa verlorene Zeit genutzt, um Marktanteile im Premiumsegment zu sichern. Diese Anbieter offerieren standardisierte Produkte, die den Reisenden bei der Buchung größere Sicherheit bieten. Die aktuelle Situation bringt Premium-Passagiere in eine riskante Lage. Der hohe Preis eines Lufthansa-Tickets garantiert auf vielen Langstreckenrouten keinen modernen oder gar wettbewerbsfähigen Sitzplatz mehr. Herr Spohr sagte, das Unternehmen müsse bei künftigen Flottenneuerungen aus diesen Fehlern lernen. Analysten vermuten jedoch, dass die Reparatur des Reputationsschadens durch den Allegris-Rollout Jahre dauern könnte. Da sich die vollständige Installation nun voraussichtlich bis weit in die späten 2020er Jahre hinziehen wird, dürfte das Produkt bereits veraltet sein, wenn es endlich im gesamten Netzwerk verfügbar ist.