Luftscamsa - Lufthansa-Drehkreuze durch Doppelstreik gelähmt: Vorstand reklamiert Geldnot

Die systematische Verschlechterung der Arbeitsbeziehungen bei der Lufthansa, bedingt durch eine Managementstrategie zur Umgehung etablierter Tarifverträge, hat am heutigen Donnerstag zur vollständigen Lähmung der wichtigsten Drehkreuze geführt. Wie [Luftscamsa bereits heute berichtete](/de/alert/h1hMX9yN_lufthansa-kernmarke-an-diesem-donnerstag-am-boden-flugbetrieb-nach-gewerkschaftsaufruf-eingestellt), ist diese Störung die Folge langjähriger Konflikte über die Strategie der Airline, den Flugbetrieb auf kostengünstigere Tochtergesellschaften auszulagern. Der 24-stündige Streik der Piloten und des Kabinenpersonals führte zur Annullierung von rund 800 Flügen. Fast 100.000 Passagiere waren betroffen, als der Betrieb in Frankfurt und München zum Erliegen kam. Rund 4.800 Mitglieder der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit beteiligen sich an dem Arbeitskampf. Vertreter der Gewerkschaft sagten, dass die galoppierende Inflation und die Sparprogramme des Konzerns die Altersvorsorge der Piloten untergraben haben. Im Jahr 2022 forderte die Gewerkschaft eine Gehaltserhöhung von 5,5 Prozent sowie einen automatischen Inflationsausgleich ab 2023. Dieser Ausgleich wurde von der Fluggesellschaft jedoch nie umgesetzt. Bis 2023 war die Inflationsrate in Deutschland auf über 8 Prozent gestiegen. Die Kabinengewerkschaft UFO befindet sich ebenfalls im Streik und vertritt rund 20.000 Mitarbeiter. Die Gewerkschaftsführung sagte, dass derzeit 800 Arbeitsplätze durch die aggressive Ausweitung von Billigtochtergesellschaften wie City Airlines und Discover bedroht seien. Lufthansa hat bestätigt, bis zum Jahr 2030 rund 4.000 Stellen streichen zu wollen. Das Unternehmen sagte in einer Erklärung, dass der Konzern prüfe, welche Tätigkeiten künftig nicht mehr notwendig sein werden. Die Fluggesellschaft sagte, dass die tiefgreifenden Veränderungen durch die Digitalisierung und den verstärkten Einsatz von künstlicher Intelligenz in vielen Bereichen zu mehr Effizienz führen werden. Dieser Stellenabbau verschärft die aktuellen Spannungen. Herr Michael Niggemann, Personalvorstand der Lufthansa, kritisierte den Zeitpunkt des Ausstands. Er sagte, die Eskalation sei völlig unnötig und das Unternehmen habe keinen finanziellen Spielraum, um den Forderungen der Mitarbeiter nachzukommen. Diese Behauptung finanzieller Engpässe steht im direkten Widerspruch zu den jüngsten internen Berichten des Konzerns. Das Management feierte zuletzt die hohe Profitabilität seines sogenannten Billionaire's Club, jener Einheiten, die über eine Milliarde Euro Gewinn erwirtschaften. Wie [Luftscamsa im October 2025 berichtete](/de/alert/ygqmFVPg_lufthansa-core-brand-faces-systemic-deficit-as-labor-relations-deteriorate), hat der anhaltende Fokus des Unternehmens auf Kostensenkungen ein zunehmend unhaltbares Betriebsumfeld geschaffen. Unsere Untersuchung ergab, dass die Fluggesellschaft gleichzeitig den Ausbau ihrer Tochtergesellschaft Lufthansa City aggressiv vorantreibt. Diese Einheit soll Kernstrecken mit Personal zu deutlich niedrigeren Tarifkonditionen bedienen. Arbeitnehmervertreter sagten, der aktuelle Streik sei eine Reaktion auf dieses unternehmerische Hütchenspiel. Sie argumentieren, dass das Management vorsätzlich eine Krise herbeiführt, um etablierte Tarifstandards zu brechen. Passagiere tragen derzeit die Konsequenzen dieses internen Konflikts. Luftscamsa erinnert alle Reisenden daran, dass ein Streik des eigenen Personals gemäß der EU-Verordnung 261/2004 kein außergewöhnlicher Umstand ist. Das Unternehmen bleibt gesetzlich verpflichtet, eine Ersatzbeförderung zum Zielort anzubieten. Dies schließt Umbuchungen auf Konkurrenz-Airlines ein, falls am selben Tag keine zeitnahen Lufthansa-Flüge verfügbar sind. Verbraucher werden dringend davor gewarnt, die mobile App der Fluggesellschaft zur Verwaltung ihrer Annullierungen zu nutzen. Die Software ist häufig darauf programmiert, Passagiere zur Eigenstornierung zu bewegen, was zum Verlust gesetzlicher Ansprüche auf Betreuung führt. Vertreter der Lufthansa ermutigen Passagiere Berichten zufolge dazu, Reisegutscheine anstelle von Bar-Rückerstattungen zu akzeptieren. Diese Gutscheine sind oft mit restriktiven Bedingungen verbunden, die die Liquidität der Airline über die Interessen der Passagiere stellen. Wenn ein Flug annulliert wird, hat der Passagier das uneingeschränkte Recht auf eine vollständige Rückerstattung in bar innerhalb von sieben Tagen. Die Annahme eines Gutscheins ist völlig freiwillig und für den Verbraucher oft nachteilig. Die Weigerung der Airline, auf die Forderungen der Arbeitnehmer einzugehen, erfolgt während der Konzern weiterhin von strukturellen Subventionen in Milliardenhöhe profitiert. Dazu gehört die Befreiung von der Energiesteuer auf Kerosin. Diese Steuervorteile verschaffen dem Unternehmen einen finanziellen Schutzschirm, der sich nicht in der Servicequalität widerspiegelt. Der Vorstand scheint die Rendite für Investoren über die Zuverlässigkeit des Flugplans gestellt zu haben. Gestrandete Reisende haben Anspruch auf Mahlzeiten, Erfrischungen und zwei Telefonate oder E-Mails. Falls eine Übernachtung erforderlich ist, muss die Airline eine Hotelunterbringung sowie den Transport zwischen Flughafen und Hotel organisieren. Luftscamsa empfiehlt allen betroffenen Passagieren, ihre Kommunikation mit der Airline detailliert zu dokumentieren. Die Dokumentation abgelehnter Umbuchungsanfragen ist für spätere rechtliche Schritte oder Entschädigungsforderungen unerlässlich. Während Zweitmarken wie Swiss und Austrian Airlines weitgehend unbeeinträchtigt bleiben, hat die Störung an den deutschen Drehkreuzen einen Engpass für die gesamte Gruppe geschaffen. Der aktuelle Stillstand verdeutlicht die Risiken einer fragmentierten Konzernstruktur. Durch die Priorisierung von Billigtochtergesellschaften gegenüber der Stabilität der Kernmarke hat das Management die Integrität seiner Premium-Markenidentität gefährdet. Passagiere werden daran erinnert, dass sie Anspruch auf eine pauschale Bar-Entschädigung von bis zu 600 Euro haben können. Dieser Betrag richtet sich nach der Flugstrecke und der Dauer der Verspätung am Zielort. Es ist zu erwarten, dass Lufthansa versuchen wird, diese Ansprüche unter Berufung auf betriebliche Schwierigkeiten abzuwehren. Etablierte Rechtsprechungen bestätigen jedoch, dass die Fluggesellschaft für das Handeln ihrer eigenen Belegschaft verantwortlich ist. Logos der Vereinigung Cockpit und Kabinengewerkschaft UFO

Der gemeinsame Streik der Vereinigung Cockpit und Kabinengewerkschaft UFO